Trofeo Almirante Conde de Barcelona

Expedition der Sonderklasse Bibelot II nach Palma de Mallorca.

Im Frühjahr 2001 wurden wir von der „Fundacion Hispania“ zur Teilnahme an der Regatta „Trofeo Almirante Conde de Barcelona“ in Palma de Mallorca eingeladen. Die „Fundacion Hispania“ ist eine dem spanischen Königshaus nahe stehende Vereinigung von Eignern spanischer Traditionsklassen. Commodore der Flotte ist der spanische König Juan Carlos.

Seit nunmehr 17 Jahren fährt die „Fundacion Hispania“ die Regatta „Trofeo Almirante Conde de Barcelona“ durch. Diese Regatta ist neben der „Nioulargue“ vor St. Tropez und der „Regatte Royale“ vor Cannes eine der bekanntesten Regatten für klassische Yachten im Mittelmeer.

Die Einladung war uns Ehre und Verpflichtung zugleich. Vor 96 Jahren war das letzte Mal eine ausländische Sonderklasse in Spanien vor Bilbao gesegelt. Damals traten die Amerikaner gegen die spanischen Herrensegler, darunter den spanischen König Alfonso der XIII, an. Die Spanier gewannen die Wettfahrten durch Verwendung eines bauchigen Vorsegels, das heute unter dem Namen Genua bekannt ist.

Nach Eingang der Einladung wurden sorgfältig die Risiken abgewogen, die mit dem Transport und der Teilnahme verbunden waren. Zwei Experten, Klaus Nebel als Bootsbauer und Herr Lehnert als Schiffsbauingenieur unterzogen Bibelot II einer gründlichen Prüfung.

Auf Grund der soliden Bauweise der Bibelot II – sämtliche Planken sind genietet und zusätzlich verleimt, Holzmast und Baum sind ausreichend dimensioniert – wurden von den Experten keine Bedenken erhoben. Als vorsorgliche Sicherheitsmassnahme wurde die bestehende Anzahl der Auftriebskörper weit über das notwendige Mass erhöht und eine zusätzliche Lenzpumpe eingebaut. Das Zugfahrzeug wurde mit freundlicher Unterstützung der Daimler Chrysler AG auf Herz und Nieren geprüft.

Am Sonntag, den 1. August, war es dann soweit. Um sieben Uhr früh setzte sich unsere Expedition in Richtung Süden in Bewegung.Vlnr.: Karl Käfer, Andrea Grosser, Christiane Hummelt, Marie-Therese Hummelt

Das Gespann war mit 18 Metern Länge über Alles nicht einfach zu fahren, aber man gewöhnte sich an die Dimensionen. Nach 17 Stunden erreichten wir die spanische Grenze, übernachteten dort und erreichten um 11:00 am Montag den Fährhafen in Barcelona. Der Empfang durch den Beauftragten der Fährlinie Trasmediteranea, einem Sponsor der Regatta, war freundlich. Zur Bewachung der Bibelot auf dem Parkplatz wurde bis zum Ablegen der Fähre ein Wachmann abgestellt.

Der Preis der Passage wurde auf die Hälfte reduziert. Echt spannend war das Bugsieren des Gespannes auf die Fähre. Mit Unterstützung des Schiffspersonals und unter Anteilnahme der Passagiere gelang auch dieses.

Am nächsten Morgen kamen wir um 07:30 in Palma an.

Das Kranen der Bibelot II war im Real Club Nautico Palma de Mallorca vorgesehen. Das Eintreffen des Schiffes sprach sich offensichtlich rasch herum. Ein Mitarbeiter des Clubs brachte ein Bild einer alten Sonderklasse und Holzbootliebhaber strichen mit der Hand über den Rumpf.

Die Marineros liessen die Bibelot II professionell ins Wasser; um 13:00 lag sie aufgeriggt an ihrem Liegeplatz.

Mit Spannung unternahmen wir am Tag darauf den ersten Trainingsschlag. Bisher waren unsere Überlegungen ja nur Theorie gewesen, aber wie würde sich die Yacht in der Welle verhalten? Bei 3 Windstärken segelten wir aus dem Innenhafen in die Bucht. Die Höhe der Welle war in etwa ein halber Meter. Der Schiffsrumpf legte sich auf zwei Wellenkämme und glitt elegant dahin. Und das ziemlich schnell. Wir segelten als Zuschauer zum Start der IMS 50 Weltmeisterschaft und hatten grossen Spass an dem freundlichen Empfang, den man unserem Klassiker von Seiten der Hightech-Yachten bereitete. Der erste Ausritt an diesem Tag fand in einem passablen Anlegemanöver unter Segeln seinen guten Abschluss.

Die Tage vor dem Start der Trofeo Amirante Conde de Barcelona verbrachten wir mit Trainings- und Badeschlägen in der Bucht von Palma bei gleichmassigem Wind um die 3 Beaufort, strahlendem Sonnenschein und 26 Grad Wassertemperatur.

Am 20. August verlegten wir die Bibelot II in den Fischerhafen vom Palma. Dort waren für die 65 Teilnehmer der Regatta Liegeplätze reserviert. Der Liegeplatz war ideal, nur 200 Meter von der Altstadt entfernt.

Die Bibelot II zeigt Flagge im Fischerhafen

Der Empfang durch den Vorstand der „Fundacion Hispania“ war ausgesprochen herzlich. Als wir anlegten stand Eduardo Marques des Jardon bereits mit einem grossen Behältnis Gin Tonic auf der Mole. Wir wussten sofort: Hier sind wir richtig. Am nächsten Tag wurde die Bibelot II einer gründlichen Prüfung unterzogen. Durch einen Vermesser des Comitee International de la Mediterranee wurde die Bibelot mit einem niedrigen, aber fairen Handicap belegt. Dem Veranstalter war klar, dass Teilnehmer dann gerne wiederkommen, wenn sie eine faire Chance auf den Sieg haben und nicht nur Füllmaterial für die lokalen Champions sind.

Der Start zur ersten Wettfahrt war für 13:00 am Mittwoch, den 22. August, angesetzt. Es war ein grossartiges Gefühl in diesem Feld von nautischen Schönheiten, darunter „Veronique“, „Ivanhoe“ und anderen mehr zum Start zu segeln. Bei unseren Regattavorbereitungen mussten wir uns arg konzentrieren, um uns nicht durch diesem tollen Anblick von unseren Starvorbereitungen ablenken zu lassen. Die Windbedingungen -zwei bis drei Beaufort – konnten wir durch die vorausgegangenen Trainingstage einschätzen. Vorsichtshalber hatten wir nur die kleine Fock gesetzt.

Unsere Strategie lautete: Freihalten von der Abdeckung der grossen Yachten. Das gelang. Langsam schob sich der spitze Bug der Bibelot aus dem Feld der startenden Yachten heraus.

Die Bibelot beschleunigte und wir konnten Meter für Meter unseren Vorsprung ausbauen.

Wir hatten nur ein Problem – die Kurse waren sehr lang und wir wussten ohne GPS nicht genau, wo die Tonnen lagen. Die Landpeilungen waren ausgesprochen schwierig. Es war jedes Mal sehr aufregend, bis wir mit dem Fernglas die Tonnen ausmachen konnten. Auf dem Spinnakerschlag brach uns die Spischot – aber das war kein grosses Problem, da dies kurz vor der Leetonne passierte. Beim Zieldurchgang waren wir mit einigen Hundert Metern Vorsprung „First Ship Home“. Es war ein wunderbares Gefühl in den noch völlig freien Fischerhafen einzulaufen. Am Abend gab die Stadt Palma einen herrlichen Empfang für die Regattateilnehmer auf dem Schloss Belver. Eine nette Gelegenheit Kontakte zu den anderen Teilnehmern zu finden.

Bei der zweiten Wettfahrt waren wir schon etwas mutiger und setzten bei 3 Windstärken die Genua. Nun war die Bibelot II nicht mehr zu halten. Mit enormer Geschwindigkeit segelte das Schiff dem Feld auf und davon.

Es zeigte sich, dass der Konstrukteur der Bibelot I, Nathaniel Herreshoff, den man auch den Zauberer von Bristol nannte, 1910 einen genialen Rumpf konstruiert hatte

Dieser Rumpf wurde durch das Gaffelrigg der Bibelot II von Hubert Raudaschl hervorragend ergänzt. Als wir gut einen Kilometer vor dem Feld auf die Ziellinie zusegelten, konnten wir – auch mit dem Fernglas – keine Zieljury ausmachen. Hektisch Überprüften wir die gesegelten Kurse. Wir waren korrekt alle Tonnen abgesegelt. Wir passierten die Ziellinie und griffen in unserer Not zum Funkgerät: „Bibelot II calling race comitee, we just have passed the finishing line, please advise how to proceed!“ Nach einer Pause von einigen Sekunden meldete sich die irritierte Wettfahrtleitung:

„Sorry, we are not yet in position, please let us know your finishing time. Your rocket is just too fast!“

Auch bei der dritten Wettfahrt hatten wir Glück: Keine grossen Fehler und kein Bruch am Schiff. Für die vierte Wettfahrt waren stärkerer Wind und Welle vorausgesagt worden. Einige unserer Gegner konnten die Freude über diese Bedingungen nicht ganz verbergen. „Today you might have a problem“ waren die guten Wünsche, die uns zum Start begleiteten. Beim Start gab es 4-5 Beaufort mit auffrischender Tendenz und eine Welle mit ca. 1,50 Meter Höhe. Nach einem kurzen Verholschlag zur Luvtonne begannen wir mit zwei Reffs im Grossegel einen Raumschotritt, den wir sicher so rasch nichtmehr vergessen werden.

Wie ein Speedboot glitt die Bibelot II dahin und an Back- und Steuerbord sprüht die Gischt vorbei.

Das Schiff lag ruhig im Ruder. Weder für die Mannschaft noch für das Schiff bestand Gefahr. Unangenehm waren nur die Heckwellen der Zuschaueryachten, die einen Blick auf das mit 12 Knoten dahingleitende Surfbord werfen wollten. Dieses Mal waren wir das dritte Schiff im Ziel und heilfroh, dass alles gut gegangen war.

Am Abend fand im Pueblo Espanol ein ausgezeichnetes Dinner für die über 400 Teilnehmer statt. Im festlichem Rahmen gelang es den Veranstaltern eine ungezwungene Atmosphäre zu schaffen. Wir hatten viel Spass, aber nach diesem Segeltag waren wir doch rechtschaffen müde. Am Sonntag Abend war die Preisverteilung angesetzt. Unsere Hoffnungen auf eine Platzierung wurde nicht enttäuscht. Wir hatten einen der drei Hauptpreise der Regattaserie gewonnen, ein Ereignis, das wir mit den Veranstaltern bis in die frühen Morgenstunden feierten.

Am 9. November 2001 stand die Bibelot II nach einer 24-stündigen Reise ohne jeden Schaden auf Ihrem Winterliegeplatz. Erst damit hatte die Expedition ein glückliches Ende gefunden. Für das Jahr 2002 ist eine Zusammenarbeit der Fundacion Hispania und den Süsswasser-Traditionsklassenflotten geplant. Besonders herzlich sind die Holzdrachen – der spanische König ist ein begeisterter Drachensegler- nach Palma eingeladen.

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